Bericht von Jeff Gisimba, Integrationshelfer der Stadt Meckenheim zur Direkthilfe der DKD in Ruanda

Es fiel mir nicht leicht, mein Telefon abzunehmen und Herrn Norbert Schaffraths Nummer zu wählen.

Herr Schaffrath, ich brauche Ihre Hilfe!

Komm schon, Jeff, sag es mir, worum geht’s?

 Herr Schaffrath, Sie erinnern sich vielleicht daran, dass ich Ihnen bei unserem Treffen gesagt habe, dass ich aus einer Familie stamme, die es sich zur Tradition gemacht hat, gefährdeten Waisen und jungen Menschen in Notsituationen zu helfen. Was ich Ihnen nicht sagen konnte ist, dass ich selbst eine Organisation gegründet habe, die Waisen und anderen Kindern und Jugendlichen aus armen Familien in Ruanda hilft. Meine Organisation kümmert sich hauptsächlich um die Zahlung der Schulgebühren dieser Kinder, aber wir bieten auch ihren Müttern Hilfe an, da sie oft alleine ihre Kinder großziehen müssen.

Derzeit sind wir in Ruanda mit einer akuten, besonders schwierigen Situation konfrontiert, wie auch anderswo auf der Welt.

Sie wissen es vielleicht nicht, Ruanda war das erste Land in Afrika, das die Ausgangssperre für die Bevölkerung anordnete, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. An sich war das eine lobenswerte Entscheidung, die jedoch dramatische Folgen für die vielen, sehr arme Familien vor Ort hatte und weiterhin hat. Also bitte ich Sie, mich zu unterstützen, um Hilfe zu finden. Hier hilft meinen Landsleuten nur eine schnelle und direkte Hilfe, z.B. durch Geldspenden, denn die Familien hungern. Wie klein eine Spende auch sein mag, ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie den hungernden Familien helfen.

Jeff, ist Ihre Organisation hier in Deutschland registriert und anerkannt?

Nein, es ist eine lokale Organisation, die in Ruanda registriert und anerkannt ist.

Schau mal, Jeff, ich bin bereits verabredet. Ich verstehe die Dringlichkeit und verspreche, etwas zu tun. Ich rufe dich zurück, sobald ich etwas Zeit habe und wir werden darüber reden. Ok? Einen schönen Tag noch.

Er legte auf.

Ich habe Herrn Schaffrath im November 2019 bei einem Treffen mit den Mitarbeitern des „Mosaik“ bei der Jugendhilfe Meckenheim kerngelernt. Ein Kollege hatte mich einige Tage zuvor angerufen und mich gebeten als zuständiger Mitarbeiter für Integration in der Stadt Meckenheim teilzunehmen. Er erzählte mir, dass jemand mit uns über ein Projekt sprechen wolle mehr als 1.000 Bäume in Meckenheim zu pflanzen. Er erzählte auch, dass diese Person nicht nur ein großartiger Umweltschützer ist, sondern jemand sei, der engagiert ist, um Kindern aus allen Arten von benachteiligten Verhältnissen zu helfen. Die Idee, von der mir mein Kollege erzählte, war, dass wir die Kinder und Migrantenfamilien beim Einpflanzen der Bäume einbeziehen würden. So bin ich zu diesem Treffen gegangen.

Nach dem Treffen sagte ich Herrn Schaffrath, dass es seit Generationen Tradition meiner Familie ist, Waisen und anderen Kindern und Jugendlichen in gefährdeten Situationen in meiner Heimat Ruanda zu helfen. Ich erzählte ihm, dass meine Eltern das erste Waisenhaus in Ruanda gründeten. Dann unterhielten wir uns etwas über mein Land und Afrika im Allgemeinen. Wir vereinbarten, uns vor dem Einpflanzen der Bäume noch mal zu treffen oder ein Telefonat zu führen.   

Herr Schaffrath hielt sein Versprechen und rief mich am selben Abend zurück. Er sagte mir, dass er die Not der ärmsten Familie in dieser Zeit der globalen Pandemie vollständig verstanden habe und dass er bereit sei, Hilfe anzubieten; was er unverzüglich tat.

Unsere am stärksten gefährdeten Familien erhielten durch eine spontane Spende der DKD Deutschen Kinderdirekthilfe Meckenheim eine erste Versorgung mit Lebensmitteln und er schenkte ihnen Hoffnung für bessere Tage.

Ich bin mit vielen verwaisten Kindern aufgewachsen, die meine Eltern ab Anfang der 80er Jahre in unsere Familie in Ruanda aufnahmen. Meine Eltern haben uns alle wie Brüder und Schwester erzogen. Von zu Hause aus gründeten meine Eltern das erste Waisenhaus in Ruanda. Nach ihrem Tod setzten meine beiden Brüder und ich diese Arbeit fort.

Als Reaktion auf die zunehmende Anzahl von Kindern, die sich in gefährdeten Umständen und in schwierigen familiären Situationen befanden, gründete ich im Jahr 2012 die Organisation FOOTSTEPS (www.footstepsforfuture.org). Wir freuen uns, mit der Stiftung DKD zusammenzuarbeiten und einen kompetenten und unbürokratischen Partner gefunden zu haben, der hält, was er verspricht – direkte Hilfe in Notsituationen.

 

Steckbrief: Jeff Gisimba

Ich bin 50 Jahre. Ich wurde in 1970 in Ruanda geboren.

Studierte Jura, habe aber nie als Jurist gearbeitet. Ich fühle mich eher wie ein Journalist – ein Beruf, den ich seit fast zwanzig Jahren ausübe.

Ich habe 1991 bei Radio Ruanda angefangen zu arbeiten; gleich nach meinem Abitur.
Nach dem Völkermord in Ruanda arbeitete ich einige Jahre für „Arzte ohne Grenzen“.

2001 kam ich nach Deutschland, um bei der Deutschen Welle zu arbeiten.
Ich habe auch als freiberuflicher Journalist und Trainer gearbeitet; insbesondere bei der GIZ (Akademie der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit).

Derzeit bin ich Mitarbeiter der Rheinflanke, ein Träger für mobile Jugendhilfe und Flüchtlingsarbeit, deren Schwerpunktarbeit die Integration junger Menschen ist. Mein Arbeitgeber schickte mich nach Meckenheim, um gemeinsam mit den Verantwortlichen der Stadt die Integration junger Einwanderer in Meckenheim zu fördern.