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Stiftung DKD Deutsche Kinderdirekthilfe

Sehen, wie Hilfe ankommt

21.10.15 | Projektarchiv, Sri Lanka

Reisebericht aus Sri Lanka von Florian Kretzschmar

Im Juli 2015 führte mich mein Weg nach Sri Lanka. Die Monate zuvor hatte ich im Süden Indiens als Volontär für eine gemeinnützige Organisation gearbeitet und nun reizte es mich, die kleine Insel zu erkunden, die dort wie ein Tropfen vor der Küste liegt. Teil meiner Route um die Welt, lockte mich Sri Lanka nicht nur mit seinen üppigen Naturwundern, sondern auch mit einem Besuch des Baranasooriya Boys Home. Die Deutsche Kinderdirekthilfe hatte in Absprache mit dem Projektleiter Herrn Korala ein Treffen für mich organisiert und ich nahm die Einladung gerne an. Während der letzten Jahre konnte ich als Volontär für diverse NGOs arbeiten, unter anderem auch für ein Waisenhaus in Peru. So war es interessant für mich zu sehen, inwieweit sich die Umstände gleichen würden.

Ich traf Herrn Korala in Hikkaduwa, einem bei Reisenden beliebten Paradiesstrand an Sri Lankas Südküste. Unweit des sorglosen Treibens zwischen Schnorcheln und Cocktails kümmert sich die Friends Kinderhilfe International e.V. unterstützt von der Deutschen Kinderdirekthife um das Baranasooriya Boys Home mit dem Versprechen, Waisenjungen ein zu Hause zu bieten. Sowohl das Grundstück als auch das Haus sind die private Spende eines Ansässigen. Wie großzügig diese Spende ist, konnte ich dann nach der zehnminütigen Fahrt von Hikkaduwa aus selbst bewundern: Das wundervoll gestaltete Gebäude mit Elementen des Kolonialstils ist innen sehr geräumig und liebevoll eingerichtet. So ist das Waisenhaus tatsächlich ein Haus und keine unterkühlte, institutionell wirkende Einrichtung mit Neonröhren in Betonklötzen. Die Atmosphäre ist schon allein deswegen familiär und authentisch, was in meinen Augen unschätzbar wertvoll für das Wohlbefinden, das Selbstwertgefühl und die Entwicklung der dort aufwachsenden Kinder ist. So bleiben sie Kinder, statt durch den Verlust ihrer alten Welt Insassen einer Einrichtung zu werden. Die derzeit 18 Jungen teilen sich drei gemütliche Schlafzimmer mit Hochbetten und finden sich während der Mahlzeiten an einer langen Tafel zusammen. Ihre Aufgaben im Haushalt sind klar definiert und auf einem Plan festgehalten. Dass die Jungs sich bei der Erfüllung dieser nötigen Aufgaben lobenswert einbringen, wie man mir bestätigte, ist durchaus nicht selbstverständlich. Es zeugt davon, dass die Kinder hier Verantwortung für sich selbst und ihren Haushalt übernehmen, sich mit diesem identifizieren und auf eine Art eingebunden werden, die sie nicht überfordert.
Die Betreuerin des Heims, die zusammen mit der Köchin vor Ort verantwortlich ist, sieht sich mehr als Mutter denn als Aufseherin. Ich sah, dass sie es meinte, als sie mich mit einem echten Lächeln empfing, das sie selten zu verlassen scheint. Sie führte mich zusammen mit einem der Jungs im Haus herum, während sie mir die Abläufe und Hintergründe erklärte. So konnte ich mich unter anderem auch von dem neuen Badezimmer und der neu eingerichteten Küche überzeugen, die dank Spenden der deutschen Kinderdirekthilfe realisiert wurden. Schnell gewann ich den Eindruck, dass die Frau mit dem weiten und erfrischend aufrichtigen Lachen voll in ihrer Arbeit aufgeht, bzw. diese weniger als Beruf und mehr als Berufung ansieht. Der Rundgang endete im Garten, wo verschiedene Früchte und Gewürze von Bananen bis Zimt wachsen. Ich nutzte die Gelegenheit, um mit einigen der älteren Jungen zu sprechen, während die jüngeren im Garten spielten. Sie erzählten mir von Volleyball und Englischunterricht. Trotz ihrer zunächst zurückhaltenden Art wirkten sie sehr wach, aufgeschlossen und liebenswert.
Im Anschluss hatte ich die Möglichkeit bei Kaffee und Kuchen noch ein Gespräch mit Herrn Korala zu führen, der mir die Arbeit von Friends Kinderhilfe in Sri Lanka und insbesondere im Baranasooriya Boys Home genauer erläuterte. Er zeigte sich sehr erfreut über meinen Besuch – die Wichtigkeit von Transparenz im humanitären Bereich ist ihm genauso bewusst, wie den Vertretern der Deutschen Kinderdirekthilfe in Deutschland. Gerne beantwortetet er alle meine Fragen ausführlich und bat mich auch Bilder aufzunehmen und diesen Bericht zu schreiben, damit potentielle Spender in Deutschland sehen können, dass ihre Hilfe tatsächlich ankommt. Es gab während unseres Gespräches keine Tabuthemen und so beantwortete Herr Korala auch die Frage, ob Kinder ab und zu weglaufen, ohne zu Zögern. Ja, das komme vor. Aus meiner Erfahrung ist dies in Waisenhäusern normal und es ist wichtig, dass mit dem Thema offen umgegangen wird. Denn es bedeutet nicht, dass die Einrichtung Mängel aufweist oder das Personal nicht hervorragende Arbeit leistet. Dies schien mit im Baranasooriya Boys Home der Fall zu sein, und auch wenn ich nur einen Tag dort verbrachte, weiß Paul Hengstler dies mit seinen regelmäßigen und längerfristigen Besuchen mit Sicherheit zu bestätigen.

Gerne hätte ich mich auch als Volontär für eine Weile engagiert, dies war jedoch nicht möglich. Herr Korala erläuterte mir warum: Da das Waisenhaus strikten Regulierungen von Seiten der Regierung unterliegt, ist es Ausländern nicht erlaubt dort zu arbeiten, schon gar nicht mit einem Touristenvisum und ohne besondere Kenntnisse. Einen ausländischen Volontär mithelfen zu lassen, wäre daher mit Aufwänden verbunden, die in keinem Verhältnis zur geleisteten Arbeit stehen. In der Tat sind die Organisationen, für die ich bisher als Volontär arbeitete, NGOs ohne Verbindung zur Regierung. Sie unterliegen wesentlich weniger strengen Auflagen und werden nicht in gleichem Maße von der Regierung beobachtet, sodass hier das Engagement in der Regel auch ohne spezielles Visum möglich ist. Da das Baranasooriya Boys Home seine Kinder nicht von den Familien direkt, sondern von den Behörden zugestellt bekommt, kann es sein, dass ein Vertreter eben dieser Behörden immer mal wieder vorbeischaut, um nach dem Rechten zu sehen. Dann einen ausländischen Volontär bei der Arbeit vorzufinden, könnte fatale Folgen haben. Das leuchtet ein. Es bestätigte auch weiter meinen Eindruck, dass in Baranasooriya Waisenhaus alles sehr regelt und unter Beaufsichtigung abläuft – ein gutes Zeichen. Es gibt viele Möglichkeiten sich neben Geldspenden persönlich für einen guten Zweck einzusetzen, gerade auch als junger Mensch. Zu Hause in Deutschland kann man helfen, das Bewusstsein der Mitmenschen für die Not anderer zu steigern, sei es mit Spendenaufrufen, mit Publikationen oder auch einfach nur mit Mundpropaganda. Wer darüber hinaus gerne vor Ort, an den „Grassroots“ etwas bewirken will, der kann dies oft im Rahmen von Volontärarbeit tun, wie z.B. beim Projekt Escuela Katitawa in Ecuador, das ebenfalls von der Deutschen Kinderdirekthilfe unterstützt wird. Doch auch allein schon ein Besuch bei einem Projekt kann helfen, dessen Transparenz zu steigern und somit potentielle Spender motivieren.